Naehrstoffe360.de

Vitamin K Antagonisten – alles Wissenswerte

Vitamin K Antagonisten – alles Wissenswerte
Inhaltsverzeichnis

Seit 1954 stehen medizinisch Vitamin K Antagonisten zur Verfügung. Der Durchbruch der im Volksmund „Blutverdünner“ genannten Antikoagulanzien erfolgte 1954 mit dem Wirkstoff Warfarin, mit dem der damalige US-Präsident Eisenhower nach einem Herzinfarkt gerettet werden konnte. Der Hintergrund für die Entwicklung des Medikaments ist der, dass die K Vitamine unter anderem einen wichtigen Beitrag leisten, um die Blutgerinnung im Verletzungsfall zu stoppen. Ohne diese Hämostase droht man zu verbluten. Die Blutgerinnung ist in diesem Fall ein anderes Wort für Blutverklumpung. Die sogenannten „Bluter“, das heißt Personen, bei denen diese Blutgerinnung nicht funktioniert, benötigen deshalb immer einen besonderen Schutz und müssen sehr viel mehr auf sich achtgeben als andere.

Doch nicht immer geschieht der Gerinnungsstopp zum richtigen Zeitpunkt und zum eigenen Wohle. Wird ein Blutgerinnsel durch einen Gefäßverschluss verschleppt, dann kann die Blutzirkulation nicht mehr richtig funktionieren. Bei einer solchen Thrombose (abgeleitet von Thrombozyten = Blutplättchen) kommt es zu Stauungen an der betreffenden Stelle wie dem Bein. Lebensgefahr besteht dadurch, dass das Gerinnsel wandert und lebenswichtige Organe wie das Herz, die Lunge und das Gehirn blockieren kann. Mit Vitamin K Antagonisten wird die Gerinnungsfähigkeit des Blutes durch eine Gegenreaktion des Vitamin-K-Regenerationszyklus aufgehoben. Bestehende Verklumpungen von Blutplättchen sowie roten Blutkörperchen werden aufgelöst und das Blut kann wieder fließen.

Was genau sind Vitamin K Antagonisten?

Antikoagulanzien werden auch als Cumarinderivate oder, verkürzt, als Cumarine bezeichnet. Allerdings weisen Cumarine keine gerinnungshemmenden Eigenschaften auf, sondern müssen dafür erst chemisch verändert werden, weswegen der Begriff Cumarinderivate die Sache genauer trifft. Die Cumarinderivate weisen zum Vitamin K eine Strukturähnlichkeit auf, die sie zu Vitamin K Antagonisten befähigen. In dieser Funktion senken sie den Vitamin-K-Gehalt im Körper und heben den für die Blutgerinnung nötigen Vitamin-K-Regenerationszyklus auf, indem sie einen der beiden Reaktionsschritte blockieren. Auf diese Weise kann das inaktive Vitamin K nicht mehr so leicht enzymatisch in seine aktive Form überführt werden. Der Bildung von Fibrinfädchen zur Einleitung der Blutverklumpung wird entgegengewirkt.

Zu den Vitamin K Antagonisten gehören:

  • Acenocoumarol
  • Phenprocoumon
  • Warfarin

Wann werden Vitamin K Antagonisten eingesetzt?

Die Cumarinderivate werden akut und präventiv eingesetzt. Akut helfen sie gegen Venenthrombosen, Lungenembolien, Durchblutungsstörungen des Gehirns (TIA), andere Embolien, die sich zum Beispiel infolge einer Operation entwickelt haben, Schlaganfall und Herzinfarkt. Als Prophylaxe dienen sie zur Verhinderung von Embolien bei Patienten mit erhöhter Wahrscheinlichkeit zum Gefäßverschluss. Solche Risikogruppen sind Personen mit künstlicher Herzklappe, Kardiomyopathien, Vorhofflimmern, hereditären Thrombophilien (erhöhter Neigung, eine Thrombose zu entwickeln), überstandenem Herzinfarkt und längerer Unbeweglichkeit zum Beispiel infolge einer Bettlägerigkeit.

Das bewirken Vitamin K Antagonisten

Vitamin K Antagonisten blockieren die durch Vitamin K ausgelöste Fähigkeit zur Blutgerinnung, indem sie zwei Enzyme hemmen, die den Zyklus in Gang setzen. Bei beiden Enzymen handelt es sich um die Vitamin-K-Chinon-Reduktase sowie um die Vitamin-K-Epoxid-Reduktase. Durch ihre Hemmung kann Vitamin K nicht mehr in seine aktive Form überführt werden und die sekundäre Hämostase wird gestoppt.

Einfluss von Ernährung und Bewegung auf die Wirkung

vitamin k

Die Antikoagulanzien reduzieren die Menge von Vitamin K auf ein akzeptables Niveau. Da diese Medikamente für eine normale Ernährung gedacht sind, ist eine Ernährungsumstellung im Sinne einer Vermeidung von Lebensmitteln mit höheren Vitamin-K-Konzentrationen wie Sauerkraut, Brokkoli, Blumenkohl sowie Schweine- und Rindfleisch in der Regel nicht erforderlich, es sei denn, der Arzt rät explizit dazu. Trotzdem sollte die Einnahme von Lebensmitteln mit hohen Anteilen von Vitamin K in einem moderaten Rahmen gehalten werden.

Alkohol kann die Wirkung der Gerinnungshemmer abschwächen und die Gerinnungsfähigkeit des Blutes fördern. Er ist deshalb während einer Therapie nur mit großer Vorsicht zu genießen. Weitere Einflüsse auf die Behandlung sind infolge von Magen-Darm-Erkrankungen möglich, was ärztlich abgeklärt werden sollte. Zwar haben Sport und Bewegung keinen direkten Einfluss auf die Blutgerinnung. Infolge verstärkter Blutungsgefahr sollte das Verletzungsrisiko beim Sport aber verantwortungsvoll abgewogen werden. Die Wichtigkeit der regelmäßigen Kontrolle des Blutwerts (früher Quickwert, heute INR-Wert) steigt bei einer Umstellung von Ernährung und Lebensweise sowie beim Ausbruch weiterer Erkrankungen.

Gibt es Nebenwirkungen?

Typische Nebenwirkungen von Gerinnungshemmern sind eine verstärkte Neigung von unerwünschten Blutungen wie Nasenbluten und Zahnfleischbluten. Außerdem gibt es bei Verletzungen ein erhöhtes Risiko für Blutverlust. Blaue Flecken heilen womöglich langsamer ab. Unbedingt ein Arzt konsultiert werden sollte bei stärkeren Blutungen, Blut im Urin, Stuhl und Erbrochenem, Nekrosen auf der Haut, verfärbten Zehen (purple toes) sowie voluminösen Blutergüssen. Seltener treten Hirnblutungen auf, bei denen Lebensgefahr besteht und sofort der Notarzt verständigt werden muss. Symptome für Hirnblutungen sind rasende Kopfschmerzen im Verbund mit Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen und neuronalen Ausfällen. Zuweilen treten Nebenwirkungen wie Haarausfall, Hautentzündungen, Ausschläge, Juckreiz und Magendarm-Probleme auf, die meistens nach einer Eingewöhnungsphase von selbst verschwinden. Die Transaminasenwerte können während der Therapie erhöht sein und die Leber kann in Mitleidenschaft gezogen werden, was sich unter anderem in der Gelbsucht äußern kann.

Wechselwirkungen von Vitamin K Antagonisten

Die Zahl möglicher Wechselwirkungen im Zusammenhang mit der Einnahme der Gerinnungshemmer ist sehr hoch. Grundsätzlich problematisch ist die gleichzeitige Einnahme der Antikoagulanzien mit Schmerzmitteln, Antidepressiva, Antibiotika, Medikamenten gegen Magengeschwüre sowie Phytopharmaka wie Ginseng, Ginkgo und Johanniskraut. Seit 2017 besteht zudem der Verdacht von Wechselwirkungen durch Medikamente auf Basis des Wirkstoffs Phenprocoumon und dem Opioid Tilidin. Die Gründe dafür sind noch unbekannt.

Die Wirkung der Gerinnungshemmer kann durch die Medikamente Chloramphenicol, Sulfonamide, Levothyroxin, Anabolika, Allopurinol, Erythromycin, Valproat, Tetrazykline und NSAR verstärkt werden. Abgeschwächt werden kann sie durch die Mittel Glukokortikoide, Colestyramin, Barbiturate, Carbamazepin, Azathioprin und Rifampicin.

Kontraindikationen – hier solltest Du unbedingt verzichten

Es gibt Krankheiten und Zustände, bei denen die Indikation mit Gerinnungshemmern kontraindiziert ist. Dazu gehören die folgenden:

  • Neigung zu Anfällen
  • Perikarditis
  • Nierenleiden
  • akuter Schlaganfall
  • Schwangerschaft
  • erhöhtes Blutungsrisiko
  • Schädelhirntrauma
  • Operationen am Auge
  • Retinopathie
  • Arteriosklerose
  • Hirnarterienaneurysma
  • Geschwüre im Magen – Darm -Trakt
  • vaskuläre Deformation
  • erbbedingter Protein-C-Mangel
  • gastroduodenale Ulkuskrankheit
  • Retinopathien mit Blutungsgefahr
  • Enkodartitis
  • Thrombozytopenie
  • Malignome
  • Alkoholismus
  • unbehandelte Hypertonie
  • offene Wunden
  • Apoplexie
  • Lungentuberkulose

Ist eine Behandlung mit Gerinnungshemmern nicht möglich, stehen folgende Alternativen zur Verfügung, die ärztlich abgeklärt werden:

  • Behandlung mit Thrombin-Inhibitoren wie Dabigatranetexilat (NOAKs), Argatroban und Hirudine
  • Behandlung mit Antithrombin-III-Aktivatoren wie Heparine und synthetischen Pentasacchariden
  • Behandlung mit direkten Faktor-Xa-Inhibitoren wie Edoxaban (NOAKs), Apixaban und Rivaroxaban

Weitere Informationen zum Thema

Ist Xarelto ein Vitamin K Antagonist?

Der Wirkstoff Rivaroxaban zählt unter dem Handelsnamen Xarelto zu den neueren Vitamin-K-Antagonisten (NOAKs). Als direkter Faktor Xa-Inhibitor wird die Wirkung oral verabreicht.

Welche Lebensmittel sollte man bei Marcumar meiden?

Bei einer Marcumar-Therapie darf man sich normal ernähren. Vorsicht ist aber bei Lebensmitteln geboten, die viel Vitamin K enthalten. Dazu gehören Spinat, Spargel, Broccoli, Kohlrabi, Blumenkohl, Grünkohl, Blattsalat, Sauerkraut, fettes Rindfleisch, Schweinefleisch, Innereien, Milchprodukte und Eier.

Was ist eine orale Antikoagulation?

Eine orale Antikoagulation ist die medikamentöse Verabreichung von Vitamin-K-Antagonisten über den Mund (oral). Sie ist therapeutisch das Standardverfahren.

Welche Medikamente gehören zu Antikoagulanzien?

Typische Gerinnungshemmer sind die Medikamente Acenocoumarol, Phenprocoumon und Warfarin

Das Fazit - Die Einnahme von Vitamin K Antagonisten nur in Absprache mit dem Arzt

Vitamin-K-Antagonisten greifen sehr viel tiefer in den Stoffwechsel ein als dies bei Medikamenten sonst üblich ist. Die Vielzahl an Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen zeigt, wie kompliziert eine Therapie mit Gerinnungshemmern ist. Aus diesem Grund sind die Cumarinderivate streng verschreibungspflichtig und sollten auch im eigenen Interesse nur in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Auch während der Therapie ist deshalb ein enger Kontakt zur Praxis angeraten.

Das könnte Sie auch interessieren!